10 Culture Hacks aus der Praxis für Innovations-, Fehler- und Veränderungs-Kultur

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Erfolg im Zeitalter der Digitalisierung ist nicht eine Frage der Technologie, sondern hängt davon ab, wie sehr wir fähig sind, diese sinnstiftend, kreativ und innovativ einzusetzen. Doch über die Jahrzehnte des Industriezeitalters haben wir gelernt Effizienz vor Kreativität zu stellen, Kosteneinsparungen vor Innovation. Das hat die Unternehmenskultur geprägt.

Michael Ghezzo

Ganze Abteilungen waren damit befasst, möglichst jede Überraschung zu vermeiden, Erfolg möglichst planbar zu machen. Nun kommen disruptive Geschäftsmodelle, Startups, Game Changer und stellen das Bewährte unter Druck.

Kulturwandel ist daher ein schickes Modewort, das von Analysten, Beratern und Medien forciert wird Doch Kulturwandel ist kein einfaches Unterfangen. Es gibt keinen Schalter, den man umlegen kann um die Art des Zusammenarbeitens zu verändern. Das übliche Verhalten:

  • Fehler sind wir gewohnt zu vermeiden oder zumindest zu vertuschen.
  • Veränderung sehen wir als Bedrohung.
  • Risiko gehen wir nur ungern ein.

Culture Hacks sind nicht die endgültige Lösung, aber sie helfen dabei, den richtigen Weg einzuschlagen. Es handelt sich um kleine, smarte Veränderungen, die nur wenig Aufwand verursachen, aber gleich Impact haben. Im Gegensatz zu umfangreichen Change Projekten, die am Ende zumeist an der eigenen Komplexität scheitern, bieten sie die Möglichkeit, Dinge rasch auszuprobieren, anzupassen, weiter zu verfolgen, oder etwas anderes zu probieren.

„Trial and Error“ statt „Too big too fail“.

Der Confare CIO Think Tank dient dazu, den Erfahrungsschatz unserer IT-Community rund um das www.ciosummit.at und den www.cioaward.at auch für andere nutzbar zu machen. Und so haben wir uns gemeinsam auf die Suche nach gelungenen Ideen, erfolgreichen Experimenten und spannenden Methoden gemacht. Unsere Frage an den Think Tank:

Welche Culture Hacks habt ihr ausprobiert?

Culture Hacks sind jene kleinen Maßnahmen, die Augen, Herzen und Hirne öffnen (im übertragenen Sinn) und Veränderung möglich machen. Sie zielen nicht darauf ab, noch effizienter, noch kostengünstiger, noch profitabler zu werden, sondern:

  • Aus Fehlern zu lernen und gemeinsam erfolgreich zu sein.
  • Innovationskraft und Kreativität zu fördern.
  • Die gemeinsame Zeit mit Wertschätzung und lebenswert miteinander zu nutzen.

Der Confare CIO Think Tank ist sehr hochkarätig besetzt und verfügt gemeinsam über eine Unmenge an Erfahrungen. Und so haben wir auch viele Ideen sammeln können. Für fast alle gilt:

  • Aufwand in der Umsetzung: wenig.
  • Veränderung des Verhaltens: in kürzester Zeit.
  • Ergebnis: Eine positive Veränderung für alle.
  1. Wertschätzen der gemeinsamen Zeit bei Meetings:

Meetings sind viel zu oft ungeliebte Zeitfresser. Die Teilnehmer hasten von einem Termin zum anderen, sind daher nicht vorbereitet oder bei der Sache. Emails und Messenger Nachrichten lenken vom Gespräch ab. Daher die Vorschläge unseres Think Tanks:

  • Nutzen Sie eine Cool Down Phase zu Beginn jedes Meetings. Sprechen  Sie 10 Minuten über das, was jeden gerade beschäftigt, bevor Sie zum Gespräch übergehen.
  • Ernennen Sie zu Beginn jedes Meetings einen „Beobachter“, der am Ende den Anwesenden (wertschätzend) Feedback darüber gibt, wie man sie im Lauf des Gesprächs wahrgenommen hat, wer sich eingebracht hat und wer nicht wirklich anwesend war.
  • Walk & Talk: Führen Sie schwierige Gespräche bei einem Spaziergang an der frischen Luft anstatt im einengenden Rahmen des Büros. Wechseln Sie Standort und Perspektive.
  1. Fehler zelebrieren:

Fehler geben wir nicht gerne zu und wir sind gewohnt, dass sie mit Strafe geahndet werden. Das führt aber dazu, dass man Dinge, die schief gehen könnten gar nicht erst angeht. Was nicht klappt, wird vertuscht, so dass es unmöglich ist, davon zu lernen. Es ist ein einfacher Schritt, das Muster umzukehren, und gefundene Fehler zu belohnen oder als Führungskraft positiven Umgang mit Fehlern vorzuleben. Dazu gehört es, sich als CIO vor sein Team zu stellen, sollte aus höheren Ebenen wieder der alte „Kopf ab“ Reflex kommen.

  1. Bedürfnisartikulation:

Das ist eine Übung aus der gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg. Wir erzählen uns im Kreis sitzend, über eine positive Erfahrung im Unternehmen der vergangenen Woche und teilen allen die dabei erfüllten Bedürfnisse sowie die mit der Bedürfniserfüllung empfundenen Gefühle mit. Die Schwierigkeiten bestehen sowohl darin, Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen als auch ohne Scham der Gruppe erzählen zu können. Die Komplementärübung Trauern funktioniert genau gleich nur mit negativem Vorzeichen.

  1. Gezielt wertschätzendes Feedback geben und Kudos Cards:

Feedback ist etwas, das Menschen laufend brauchen, unter 4 Augen oder in der Gruppe. Ein Mitarbeitergespräch im Jahr ist dafür nicht ausreichend. Besonders motivierend ist über das Wort des Chefs vor allem auch direktes Feedback von Kunden. Daher sollten auch IT-Mitarbeiter die Möglichkeit zur Kommunikation mit den Usern und sogar mit den Endkunden erhalten.
– Ein wertvolles Instrument für wertschätzendes Feedback sind Kudos Cards, so genannte Lobkärtchen. Einfach mal bei Amazon suchen.

  1. Konfliktmanagement durch Kompetenz statt durch Hierarchie:

Nichts belastet ein Team mehr, als unterschwellige Konflikte oder offener Streit. Er verhindert Veränderungen und kreatives Miteinander. Die Schlichtung obliegt oft den Führungskräften, egal ob sie dafür die Richtigen für diese Aufgabe sind. Suchen Sie jene Menschen in Ihrem Team, denen diese Aufgabe liegt und erlauben Sie es, dass Konflikte nicht entlang von Hierarchien, sondern unter Menschen gelöst werden.

  1. Etablieren Sie Zeiten, Räume oder Rollen, in denen man bewusst Dinge anders macht, als gewohnt:

Zum Beispiel Joker Time in der man darüber nachdenkt, was man denn eigentlich weglassen könnte.  Eine Hofnarr Funktion kann für gezielte Provokation sorgen: Jemand der im Rahmen einer Organisation nicht nach den üblichen Regeln spielen muss, der in Sneakers vor dem Vorstand über Digitalisierung sprechen kann und die Aufgabe hat, was man so tut, weil man es halt so tut, zu hinterfragen.

  1. Active Listening:

Die Methode stammt aus der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie von Carl R. Rogers. Oberflächlich betrachtet geht’s da darum, dass wir oft nicht konzentriert zuhören, sondern im Gespräch nach dem ersten Halbsatz unseres Gegenübers nach einer Antwort oder Entgegnung suchen und dabei nicht mehr alles hören was uns gesagt wird.

Das kann zum Beispiel so aussehen: Jeweils 2 Mitarbeiter setzen sich m Abstand von maximal 1 Meter gegenüber und schauen sich in die Augen. Einer von beiden spricht 4 Minuten über ein selbst gewähltes Thema, der andere hört zu und darf dabei nicht unterbrechen oder rückfragen. Im Anschluss an die 4 Minuten hat der Zuhörer 2 Minuten Zeit um das Gehörte dem Sprecher zu erzählen. Anschließend wird gewechselt, der Erste Sprecher wird Zuhörer für 4 Minuten und fasst danach in 2 Minuten das Gehörte zusammen.

Weil keine Stellungnahme, Meinungsäußerung oder Unterbrechung erlaubt ist, ist die gesamte Konzentration auf das Zuhören gelegt. Der Zuhörer kann den Impuls zu unterbrechen, ins Wort zu fallen oder seine Meinung zu artikulieren damit nicht nachkommen, jedoch den manchmal starken Impuls dazu spüren. Der Sprecher erlebt, wie es sich anfühlt, wenn der Zuhörer wirklich zuhört. Die Übung hat große Auswirkung auf gegenseitige Wertschätzung, offene Kommunikation und Teamgeist.

  1. Mentoring unter Führungskräften:

Gerade junge Führungskräfte sind oft alleine mit ihren Problemen und Herausforderungen. Die Zeit und Ressourcen für einen Mentor von außen stehen oft nicht zur Verfügung. Daher hat es sich bewährt, dass Führungskräfte sich als Mentor zur Verfügung stellen. Vom gegenseitigen Besprechen von herausfordernden Situationen profitieren beide und bieten so ihren Mitarbeitern besseres Leadership.

  1. Storytelling:

Kommunikation in Meetings, bei Reden und bei Präsentationen ist oft langweilig. Gerade in der IT hält man sich mit „Geschichten erzählen“ zurück. Man redet über Daten, Fakten und Details. Moderne Storytelling Methoden helfen, die Menschen zu emotionalisieren und zu begeistern. Sie machen komplexe Sachverhalte greifbar und verständlich. Die Methoden sind zum Teil simpel und leicht erlernbar. Der Erfolg spürbar, wenn klassische Widerstände gegen Neuerungen plötzlich wegfallen und man gemeinsam an einem Strang zieht.

  1. Lean Coffee

Lean Coffee soll dazu beitragen, heraus zu finden, wer sich für eine Veränderung interessiert und diese ggf. unterstützt. Durch einen Change Agent initiiert, verselbständigt sich das Format und weitere Lean Coffees werden selbstständig organisiert.

Lean Coffee ist ein strukturiertes Format für unstrukturierte Meetings: Es ist ein Treffen ohne vorab definierte Agenda, zu dem jeder einfach mit einem Aushang einladen kann und bei dem die Teilnehmer zu Beginn die Themen selbst bestimmen. Um möglichst viele Themen besprechen zu können, wird die Zeit pro Thema limitiert.

Dabei kommen die Prinzipien des Lean Thinking zur Anwendung (u.a. Verschwendung vermeiden, Lernen verstärken, Eigenverantwortung, das Ganze sehen)

Weitere Culture Hacks schlägt unter anderem Gartner vor:

Was sind Ihre Culture Hacks, die sich in Ihrem Team bewährt haben? Wir freuen uns, wenn Sie sich beim www.ciosummit.at unter dem Motto „Talente bewegen … be the influence“ am 3. und 4. April  in die Diskussion einbringen.

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Mag. Michael Ghezzo ist Geschäftsführer von Confare. Seit 1999 befasst er sich erfolgreich mit Veranstaltungskonzepten in den Bereichen IT, Marketing & Vertrieb und Management. Mit viel Leidenschaft und Kompetenz organisiert er Veranstaltungen, kreiert neue Formate und bringt die bedeuteten Entscheidungsträger zusammen. Er hat zahlreiche erfolgreiche Veranstaltungen langfristig positionieren können und konnte bei führenden Konferenzveranstaltern in Österreich neue Veranstaltungsmarken etabliert.