Cyber Security als Chance für eine internationale Wettbewerbsfähigkeit „made in Austria“

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Mit enormer Dynamik setzen wir immer mehr IT in unseren Maschinen ein und vernetzen sie zu globalen Netzwerken, um Produktinnovationen voranzutreiben, höhere Qualität in der Produktion zu erreichen oder eine höhere Servicequalität den Kunden anbieten zu können. Durch die globale Vernetzung und dem Einsatz von hoch standardisierten und global verfügbaren IT-Lösungen steigt aber auch die Bedrohung durch neue Formen der Kriminalität, Industriespionage oder auch Sabotage aus vielfältigen Gründen. Damit sind nicht nur die klassischen IT-Produktbereiche, sondern auch herkömmliche Industrien und Dienstleistungen mit der Sicherheitsproblematik durch die umfassende Digitalisierung konfrontiert.

DI Helmut Leopold

Unsere digitalen Kommunikationssysteme bilden mehr und mehr das Rückgrat unserer Gesellschaft und unserer Prozesse des Zusammenlebens. Jüngste Beispiele der Beeinflussung von öffentlichen Meinungen, Wahlen, Angriffe auf Einzelpersonen, welche sich engagiert für gesellschaftliche Anliegen einsetzen, aber auch Sabotage auf Verwaltungen, öffentliche Dienstleister und kriminelle Angriffe auf Industrien, einzelne Unternehmer und Privatpersonen zeigen eindrucksvoll eine Entwicklung derer wir alle bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt haben.

Wir als moderne Informationsgesellschaft sind angehalten unsere Grundprinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht gefährden zu lassen, und Unternehmer sind angehalten ihren Marktvorsprung (IPRs), ihre Unternehmensdaten aber auch ihre Kunden vor der rasant wachsenden Cyber-Bedrohung besser zu schützen. Diese unbedingte Notwendigkeit wird bereits wesentlich durch neue Gesetzgebungen in der EU und somit auch in Österreich verstärkt. 2018 wird einerseits ein neues Cybersicherheitsgesetz in Österreich in Kraft treten – entsprechend der Umsetzungsnotwendigkeit einer EU Empfehlung zum Schutz kritischer Infrastrukturen („NIS Richtlinie“), als auch andererseits eine neue EU Datenschutzverordnung Gültigkeit haben.

Da aber Sicherheit nicht nur durch Einsatz von Technik alleine erreicht werden kann, ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Benutzern, Systembetreibern und auch Systemdesignern in den unterschiedlichen Marktsegmenten notwendig. Um für die globalen Bedrohungen im Cyberbereich gerüstet zu sein braucht es in weiten Bereichen neue Kompetenzen, Dienstleister und neue Lösungen und Produkte, um die Digitalisierungstechnologien für uns alle sicher bauen zu können und auf diese Weise den umfassenden Bedrohungen widerstandsfähige (resiliente) Systeme entgegenzusetzen. Diese Notwendigkeit bringt nun aber auch eine neue Chance für global wettbewerbsfähige High-Tech Produkte „made in Austria“.

Am Dienstag, den 30. Mai 2017, wurde aus diesem Grund eine eigene Technologieausstellung „Sehen und Verstehen – Cyber Security“ vom AIT Austrian Institute of Technology in der „SkyLounge“ des Vienna Tech Gate veranstaltet.

Durch vielfältige Produktpräsentationen wurde eindrucksvoll demonstriert, dass österreichische Cyber Security Technologien international vielfach hohes Ansehen genießen. Im Rahmen einer Diskussion wurde jedoch deutlich, dass diese Technologien im eigenen Land leider oft nur ungenügend in ihrer Exzellenz wahrgenommen werden. Mit anderen Worten: „Österreich ist auch in der IT Weltspitze, aber hierzulande unbemerkt!” Es sind vor allem mentale Dispositionen, „wonach der Prophet im eigenen Land nichts zählt“, die eine durchschlagende Industrialisierung österreichischen Cyber Security Know-hows erschweren. Das nationale Bekenntnis muss daher über die durchaus gut organisierte F&E-Förderung hinausgehen, um neue Märkte für die heimischen Spitzenentwicklungen zu schaffen.

Wir brauchen eine noch stärkere Vernetzung der innovationsstarken Unternehmen in Österreich mit Forschung und ein gemeinsames Verständnis, auch besondere innovative Technologien in Österreich frühzeitig einzusetzen, um entsprechende, sich verstärkende, Eco-Systeme zu generieren. Für solche High-Tech IT Bereiche braucht es keine großen Märkte, sondern ein gemeinsames Verständnis und ein Selbstbewusstsein, den Wirtschaftsstandort Österreich auch im IT-Sektor international höchst wettbewerbsfähig zu halten und führend zu positionieren. Dabei spielen auch Investitionsleistungen des Staates in Infrastrukturen und Werkzeuge der Informationssicherheit eine große Rolle, in denen sich gelebte Verantwortung für die Herausforderungen einer durch und durch digitalisierten Wirtschaft und Gesellschaft widerspiegelt. Dadurch werden Eco-Systeme geschaffen, welche das besondere akademische Know-How und die vorhandenen Ingenieur-Skills effektiv werden lassen und die Basis für eine globale Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen schaffen.

Einen Nachbericht zur Veranstaltung sowie Bilder, Videos und Präsentationsunterlagen zum Download finden Sie hier. _________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Helmut Leopold ist Head of Center for Digital Safety & Security am AIT Austrian Institute of Technology und beschäftigt sich neben seinem Forschungsschwerpunkt Safety & Security intensiv mit den Fragen, wie Innovationen funktionieren und welche Auswirkungen sie auf Einzelpersonen, Gesellschaft und den Globus haben.