Das Gesundheitswesen wird Teil der Smart City

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Digitalisierung kann aktuell besonders mit dem Schlagwort „Smart City“ in Verbindung gebracht werden. Die im Beitrag zur digitalen Transformation des Gesundheitswesen erwähnten Faktoren, wie die Zunahme von chronischen Erkrankungen und damit eines steigenden Versorgungbedarfs in den eigenen vier Wänden durch einen Altersanstieg der Menschen werden verschärft durch den Mangel qualifizierter Pflegekräfte und Ärzte. Dies wirkt sich im urbanen Bereich deutlich stärker aus als im ländlichen.

Ing. Martin Bayer

Spitäler, Ambulanzen, Arztpraxen, etc. sind hinsichtlich ihrer Kapazitäten inzwischen deutlich überfordert. PHC´s (Primary Healthcare Center) werden hier nur teilweise Abhilfe schaffen. Solange nicht begleitende Maßnahmen zur nachhaltigen Effizienzsteigerung in der laufenden medizinischen und therapeutischen Betreuung vor allem älterer Menschen (z.B. durch den Einsatz von Telemedizin, Teletherapie, Telereha, u.s.w.) getroffen werden, wird die Überforderung unseres etwas veralteten Gesamtsystems fortschreiten.

Hier wird es aber erforderlich sein, die dominanten Partikularinteressen der verschiedenen Stakeholder-Gruppen dem Gesamtinteresse eines finanzierbaren und trotzdem kundenfreundlichen Gesundheitssystems unterzuordnen.

Auf Seiten der Kunden/Patienten ist allerdings auch ein neues Bewusstsein notwendig: Sie müssen sich von der Idee lösen, dass das Gesundheitssystem die alleinige und kostenlose Verantwortung für die Erhaltung und Wiederherstellung aller Aspekte der Gesundheit und Versorgung des Menschen trägt.

Die Zukunft wird geprägt sein durch Selbstengagement und Eigeninitiative, einer Reduzierung des Anspruchsdenkens auf ein leistbares Maß und Kostenbeteiligung in manchen Bereichen (auch wenn dies in der Politik noch nicht laut ausgesprochen wird). Denn das größte Problem des Gesundheitssystems ist, dass als geheilt “entlassene“ Patienten innerhalb kürzester Zeit in ihre alten Lebensmuster zurückfallen und damit permanent die Leistungen des Systems in Anspruch nehmen.


Technologie als Schlüsselfaktor für Active & Assisted Living

Speziell in den Bereichen chronischer Erkrankungen (Diabetes, Herzinsuffizienz, COPD, psychische Erkrankungen, Übergewicht, etc.) und bei der Therapie zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit (gesamter Bewegungsapparat, Herzinfarkt, Schlaganfall, Neurologie, etc.) hat sich das Angebot an technischen Hilfsmitteln in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt.

Hauptgrund dafür sind die Entwicklungen in den Bereichen:

  • Sensorik und Robotik
  • Virtual Reality und 3D Kameras
  • Connectivity leistbar und mobil
  • Steuerung von Geräten durch Bewegungen oder Stimme
  • Die Durchdringung unseres Lebens durch Apps

Ursprünglich für Konsumenten gedacht, haben Entwicklungen aus den Bereichen Home-Automation, Entertainment und Fitness (wie Microsoft Kinect, xbox, etc.) nicht nur das Potenzial mehrfach für verschiedene Anwendungen genutzt zu werden, sondern machen die Hochtechnologie leistbar und vor allem mobil.

Intuitive Interfaces sorgen außerdem für eine sinkende Hemmschwelle der Verwendung auch bei älteren Menschen. Diese Technologien bilden die Basis einer neuen Form der Betreuung chronisch Kranker oder Rehabilitierungsbedürftiger.

Somit geht dies weit über das heutige Modell hinaus, wo nach einem stationären bzw. ambulanten Aufenthalt die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und vor allem die Selbstversorgung das Ziel ist. Idealerweise wird jedoch die Rehabilitation bzw. die Betreuung chronischer Krankheiten lückenlos in eine virtuelle Betreuung zu Hause übergeführt.

Neben der bereits erwähnten Technik bedarf es hierfür ärztlicher und therapeutischer Organisation und Kommunikation (Sensorik, Vitalwertüberwachung, Übungstracking- und -anleitung, Video, Chat, u.s.w.), damit im Bedarfsfall rechtzeitig klassische Intervention veranlasst werden kann. Parallel dazu können Communities aufgebaut werden, je nach Indikation, Altersgruppe etc., die ähnlich wie im Fitnessbereich einen zusätzlich motivierenden Faktor darstellen.

Studien belegen, dass mit derartigen Modellen – die international bereits weit verbreitet sind – die Rückfallraten im Rehabereich drastisch reduziert und die Kosten für die Betreuung chronisch Kranker um ca. 30 % gesenkt werden können.

Außerdem werden Ressourcen von Ärzten und Therapeuten besser genutzt, sowie das Eigenengagement und die Selbstverantwortung der Patienten gestärkt. Dadurch wird letztendlich nicht nur das System entlastet, sondern auch die Zufriedenheit der Patienten gesteigert.

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Ing. Martin Bayer ist seit 1993 Gründer, Gesellschafter & Geschäftsführer der HMP Beratungs GmbH in Österreich. Zu den Tätigkeiten des diplomierten Elektrotechnikers zählt u.a. die Betreuung und strategische Beratung wichtiger Kunden. Außerdem ist er Vizepräsident des Next Generation Enterprise Forschungsinstituts. Die HMP Beratungs GmbH ist seit vielen Jahren (fast seit ihrer Gründung 1993) als unabhängiger Berater auch in vielen Teilbereichen des österreichischen Gesundheitswesens tätig und fokussiert sich aktuell auf das Thema der digitalen Interaktion zwischen den Anbietern und den Kunden in diesem.