Die Digital City liegt in unserer Hand – bauen wir sie

Geschrieben von Office Digital City Wien am in #DigitalMondayBlog

Von DI Helmut LEOPOLD
AIT Austrian Institute of Technology, Head of Digital Safety & Security Department

Für den bekannten Technologie-Philosoph Steven Johnson ist eine gute Idee kein singuläres Ereignis, sondern ein Netzwerk und in diesem Verständnis das Zusammenbringen von Menschen und Ideen. „Es ist nicht nur der Wettbewerb zwischen Individuen und Unternehmen, die innovative Vorgänge in der Produkt- und Serviceentwicklung speisen, es ist vielmehr das offene System basierend auf Kommunikation und Verbindungen.“ DI Helmut LEOPOLD Nach Johnson suchen Ideen somit immer den nächsten möglichen und passenden Ansatz; d.h. eine Technologie möchte sich mit einer angrenzenden Technologie verbinden, um so die Grenzen für mögliche Ideenfindung auszuweiten; eine Idee sucht also immer „the adjacent possible“. Dafür braucht es nun vor allem eine Umwelt, ein facettenreiches Netzwerk verschiedenster Arten im gesamten Eco-System, damit sich Ideen treffen, austauschen und verbinden können. Johnson spricht von „liquid networks“, in welchen Ideen, Technologien, Einsatzmöglichkeiten, etc. einfach fließen können. Dabei spielt der Zufall genauso eine wichtige gestalterische Rolle wie die permanente Transformation und Wiederverwertung von Technologien und Ideen.

Für die Entwicklung unserer smarten Digital City müssen wir nun erkennen, dass Technologien alleine für sich charakterlos sind und vordergründig keinen Mehrwert darstellen. Mit Verweis auf den Technologie-Philosophen Andrew Feenberg oder auch auf den deutschen Physiker Herbert Kroemer müssen wir verstehen, dass ein Mehrwert für den Menschen und für unsere Gesellschaft erst in einem intensiven Interaktionsprozess des Anwenders mit der Technologie entfaltet werden kann. Ihr Einsatz durch die Menschen und in letzter Konsequenz ihre massenhafte Nutzung durch die Gesellschaft geben der Unverbindlichkeit und Offenheit einer Technologie eine richtungsweisende Bestimmung. Je höher der Grad der Akzeptanz einer bestimmten Technologie für identifizierte Anwendungsszenarien ist, umso höher ist der Gebrauchswert, den sie im Sinne sozialer Innovationen erhält.

Und je vorbehaltloser die Menschen an Technologienutzung herangehen, desto größer werden auch die denkbaren Einsatzfelder. Im angrenzenden Umfeld einer Zentralnutzung verbergen sich häufig Parallelnutzungen die mit geringem Re-purposing-Aufwand gezielt adressiert werden können.

Mit der etablierten Initiative „Digital City Wien“ haben wir im internationalen Vergleich in beispielhafter Weise den Grundstein für ein „liquid network“ eines Innovationsraumes geschaffen, in der wir nun viele unserer gesellschaftlichen Problemstellungen unseres Zusammenlebens gemeinsam lösen können.

Die grundlegenden digitalen Technologien der Informations- und Kommunikationstechnik sind dabei sicher die wichtigsten Treiber für die Entwicklung unserer Stadt für die Zukunft. Wir müssen uns aber grundlegend von dem Gedanken verabschieden, dass wir fertige Technologien für die Gestaltung unserer komplexen Umgebungen irgendwo auf den Weltmärkten kaufen können. Wertvolle Anwendungsbereiche von modernen Technologien entstehen nur aus eigener Lösungskompetenz; aus spezifischem Know-how am Standort, welches im Zusammenspiel von Wissenschaft, Industrie und BürgerInnen in Kenntnis der spezifischen, regionalen Verhältnisse in die zukunftsorientierte Gestaltung von Technologiebausteinen und Einsatzszenarien eingebracht und facettenreich zu neuen, unverwechselbaren Anwendungen integriert wird. Die der Komplexität einer intelligenten Stadt inhärenten Herausforderungen wie die Energiewende in die post-fossile Ära, autonome Verkehrssysteme für die sichersten und effektivsten Transportsysteme, neue Wege der Gesundheitsvorsorge und -versorgung oder auch eine digitale Kreativszene für globale Content-Dienste im Internet und schließlich für unsere öffentliche Sicherheit verlangen gemeinsame Anstrengungen, um Wien als einen starken Innovationspol auf der internationalen Technologie-Landkarte zu positionieren.

Dabei müssen wir ganz gezielt den bisher gegangenen Weg einer Stadt mit interkulturellem Antlitz weiter beschreiten, multinationales IT-Talent am Standort bündeln und die Diversität der Denkansätze dazu nutzen, Neuland zu betreten und traditionelle industrielle Komfortzonen aufzugeben. Alle Bausteine aus Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung sind in unserer Digital City vorhanden. Es liegt nur an uns, diese mit Selbstvertrauen und Kreativität international bespielhaft zusammenzuführen. Wien ist eine Stadt, wo der Technologie-basierte Aufbruch in eine lebenswerte Zukunft gelingen kann.