DigitalCity.Wien als Collaborative Governance Vorreiter in der Smart City Wien

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es weltweit nur 16 Städte mit über 1 Million EinwohnerInnen. Bis 2010 ist diese Zahl auf 450 angewachsen und die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in städtischen Gebieten. Die rasante Zunahme der städtischen Bevölkerung führte dazu, dass die Städte die zentrale Bühne der Welt einnahmen, mit mehr wirtschaftlicher, politischer und technologischer Macht als je zuvor. Von einer Seite können urbane Gebiete durch die Konzentration des Human- und Finanzkapitals sehr produktiv und innovativ sein. Darüber hinaus funktionieren die Städte in der EU als wirtschaftliche Motoren und erwirtschaften 85% des EU-BIPs. Gleichzeitig erzeugt das Wachstum der Städte erhöhte Komplexität und kann eine ganze Reihe von ökologischen, ökonomischen und sozialen Problemen und Risiken verursachen.

Yuliya Hirman

Um eine nachhaltige Weiterentwicklung zu gewährleisten und auf komplexe Herausforderungen einzugehen, müssen Städte effizienter und innovativer agieren. Der Smart City Ansatz – ein konzeptuelles Stadtentwicklungsmodell, das auf Nutzung vom menschlichen, kollektiven und technologischen Kapital zur Förderung von Entwicklung und Wohlstand in städtischen Gebieten basiert, hat bei politischen EntscheidungsträgerInnen und StadtplanerInnen für zunehmende Aufmerksamkeit in den letzten Jahren gesorgt. Mit der Formulierung der 2030-Ziele der EU und der Gründung der Europäischen Innovationspartnerschaft für Intelligente Städte und Gemeinschaften ist das Smart City Konzept zum politischen Imperativ in der EU geworden.

Obwohl die Kriterien, die eine Smart City ausmachen, vielfältig sind, beruht das Konzept grundsätzlich auf dem verstärkten Einsatz von IKT und innovativen Governance-Praktiken, die durch offene Regierungs- und Verwaltungsstrukturen den Wissens- und Ressourcenumtausch zwischen der Industrie, Bildungs-, Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen sowie Stadtverwaltung ermöglichen und das Innovationspotential am Standort verstärken. Enge Zusammenarbeit oder Kollaboration zwischen den öffentlichen und privaten Stakeholdern wurde von WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen zu einem der entscheidenden Erfolgsfaktoren im Prozess der Transformation zu einer Smart City verkündet.

Collaborative Governance, ein inklusiver Governancemodus, dessen charakteristisches Kennzeichen ein interaktiver Prozess ist, im Zuge dessen AkteurInnen aus verschiedenen Sektoren und Regierungsebenen zusammenarbeiten, um gemeinsame Visionen, Strategien oder Aktionen für die Bewältigung der komplexen Herausforderungen zu entwickeln, wurde in den letzten 15 Jahren zu einer gewünschten und verbreiteten Form der Governance. Besonders wenn es um innovative Transformationsprozesse geht. In Wien wurde DigitalCity.Wien zum Vorreiter in Collaborative Governance, da vor der Gründung der Initiative 2014 eine solche Art der Zusammenarbeit sowie ein regelmäßiger Austausch zwischen der Stadt Wien und der Industrie nicht existierte.

Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich mich der Untersuchung der organisatorischen Konfiguration von DigitalCity.Wien gewidmet. Laut vorherigen Forschungsergebnissen steht diese Konfiguration im direkten Zusammenhang mit der Fähigkeit, der gesamten Konstellation Ergebnisse zu liefern und angekündigte Probleme effizient anzugehen. Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass trotz der Neuartigkeit der Zusammenarbeit in dieser Art und Weise sowohl für VertreterInnen des IT-Sektors, als auch für die Stadtverwaltung, die angenommene netzwerkartige Organisationkonstellation, bei welcher die Entscheidungen nur in Absprache mit allen beteiligten Stakeholdern getroffen werden können, eine leistungsfordernde, effiziente und kollaborationsbegünstigende Form ist. Transparenz des Entscheidungsprozesses, Möglichkeit für jeden sich einzubringen und zum Erreichen der angekündigten Mission beizutragen sowie Offenheit der Stadtverwaltung und strukturiertes Projektmanagement durch Urban Innovation Vienna (ehemals TINA Vienna) haben sich ebenfalls als Erfolgsfaktoren von DigitalCity.Wien erwiesen, welche es ermöglicht haben, umfassende Projekte wie die Bildungsinitiative, Industry meets Makers oder Digital Days erfolgreich ins Leben zu rufen.

Smart City Wien ist eine weitreichende Initiative und impliziert das „Smartening“ von allen Stadtdimensionen – Wirtschaft, Mobilität, Infrastruktur, Umwelt und Ressourcenschonung, Bildung, Forschung und Innovation sowie die dadurch verbesserte Lebensqualität. Veränderungen, die für eine erfolgreiche Transformation benötigt werden, sind so umfassend und manchmal tiefgreifend, dass weder der öffentliche noch der private Sektor die dafür erforderlichen Ressourcen und das Wissen besitzt um den Wandel alleine durchzusetzen. Aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit und der Aufbau von sektorübergreifenden Governancestrukturen in unterschiedlichsten Smart City Bereichen eine wesentliche Bedingung für eine erfolgreiche Transformation. Die Initiative Digital City. Wien hat an ihrem Beispiel den Weg für solche Kollaborationen bestimmt.

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Yuliya Hirman ist Kommunikationsspezialistin, die sich auf Marketing Communications im Tech-Bereich spezialisiert. 2017 absolvierte sie Masterstudium „Sozioökonomie“ mit dem Schwerpunkt Urban Governance an der Wirtschaftsuniversität Wien.