Digitaler Humanismus – Es liegt in unserer Verantwortung, unsere Zukunft zu gestalten!

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Im Vorwort zu „Digitaler Humanismus, Eine Ethik für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz“, schreibt Julian Nida-Rümelin, einer der beiden Autor_innen: „Jenseits apokalyptischer Untergangsszenarien und technizistischer Erlösungshoffnungen gibt es den mittleren Weg der Bewahrung und Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen durch den kulturell, sozial und politisch kontrollierten Einsatz technologischer Möglichkeiten. Die menschliche Existenzform ist nicht Annex technischer Entwicklung, vielmehr ist es die große Herausforderung unserer Verantwortlichkeit, die Digitalisierung so zu gestalten, dass sie zur Humanisierung der Welt beiträgt.“

Anna Steiger © TU Wien

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Verantwortung übernehmen kann  und muss. Es liegt in unserer Verantwortung, unsere Zukunft zu gestalten! Digitalisierung „passiert“ nicht einfach so. Es obliegt unserer Gestaltungsfreiheit, wie wir (neue) Technologien nutzen, aber auch für wen wir sie bereitstellen wollen oder wen sie besonders unterstützen sollen. Und es gilt darauf zu achten, niemanden von der Nutzung einer Technologie auszuschließen und sie für möglichst viele Gruppen sinnvoll nutzbar zu machen. Damit das gelingt, ist es unabdingbar schon bei der Entwicklung neuer, weiterführender Technologien darauf zu achten, dass nicht nur der Typ „männlich, Mitte 20“ daran arbeitet, sondern dass diese Teams gemischt sind und im Idealfall aus Menschen der Zielgruppen, die man erreichen möchte, bestehen. Derzeit ist die Zusammensetzung von Entwicklungs- und Designteams, zumindest im mitteleuropäischen Raum, sehr homogen.

An HTL und Universitäten bilden besonders in der Informatik und den Ingenieurswissenschaften Männer die überwiegende Mehrheit. Sie sind diejenigen, die unsere digitale Zukunft maßgeblich gestalten werden. Es muss uns also gelingen einerseits Frauen zu motivieren, sich vermehrt in diese Studien- und Arbeitswelten einzubringen, es ist aber auch notwendig, an den jeweiligen Ausbildungsstätten den Studierenden zu vermitteln, dass Digitalisierung mehr ist, als Algorithmen für neue Apps zu entwickeln. „Technik für Menschen“, das ist der Leitsatz, der die Forschung und die Lehre an der TU Wien prägt. Das bedeutet aber auch, dass wir uns immer mehr auch mit den Auswirkungen dieser Forschung auf die Lebenswelten von Menschen auseinandersetzen müssen. Sicherheit und/oder Überwachung? Datenschutz und/oder persönliche Freiheit? Das gilt es in der digitalen Welt sorgsam abzuwägen. Es ist Aufgabe von Bildungsanstalten, Schüler_innen und Studierenden das nötige Bewusstsein zur Reflexion, aber insbesondere auch das nötige Wissen, zu vermitteln.

Rund ein Drittel aller Studierender an der TU Wien ist weiblich, aber gerade in den Fächern, die vorrangig im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Digitalisierung genannt werden –  Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik –  verzeichnet die TU Wien einen traditionell niedrigen Frauenanteil. Wir arbeiten insbesondere durch die Straffung unserer Organisationsstrukturen, aber auch durch (Selbst)verpflichtung zu Geschlechterquoten daran, mehr Frauen zu motivieren, ein technisches Studium an der TU Wien zu ergreifen oder bei uns zu arbeiten.

Frauen dürfen seit genau 100 Jahren in Österreich ein ordentliches Studium an einer technischen Universität (damals Hochschule), also auch an der TU Wien, ergreifen. Und ja, wir haben „schon“ ein Drittel Studentinnen – oder aber auch „erst“ ein Drittel? Wir nehmen dieses Jubiläum jedenfalls zum Anlass, um das Thema Gender und Technik in vielen Facetten zu beleuchten. Im Herbst werden Forscher_innen verschiedener Disziplinen im Rahmen eines eintägigen Symposiums unter dem Titel „Mensch und Maschinen. Visionen (aus) unserer digitalen Zukunft“ darüber diskutieren, wie wir unser „Leben mit Robotern“ mit „Logik und Vernunft“ gestalten können.

Seien wir uns bewusst, dass menschliche Gehirne mehr sind als hochkomplexe Computerhardware. Sehen wir, dass wir über alle Kapazitäten verfügen, einen „digitalen Humanismus“ zu gestalten der, so der eingangs zitierte Nida-Rümelin, „… skeptisch gegenüber utopischen Erwartungen bleibt, aber optimistisch ist, was die menschliche Gestaltungskraft der digitalen Potenziale angeht“.

 

____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Anna Steiger ist seit 2011 Vizerektorin für Personal und Gender der TU Wien. Die studierte Juristin ist Trägerin des Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien, sie wurde für ihr Engagement ausgezeichnet, junge Frauen für Wissenschaft und Technik zu begeistern.

Das Jahr 2019 steht an der TU Wien ganz im Zeichen von „100 Jahre Frauen (im) Studium an der TU Wien“. Regelmäßig finden in diesem Rahmen Veranstaltungen  statt. So veranstaltet die TU Wien am 29. Oktober im Kuppelsaal  ein eintägiges Symposium zum Thema „Menschen und Maschinen. Visionen unserer digitalen Zukunft“.