Ein Planet ohne Lebensmittel-Verschwendung

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Per App Essen retten.
Weltweit werden ⅓ aller Lebensmittel verschwendet. Das ist nicht nur ein moralisches sowie wirtschaftliches Problem, sondern eine riesige Belastung für die Umwelt.

Georg Strasser (Too Good To Go) © Martina Draper

Das Problem. Es passiert schnell: Das Brot von gestern ist auf einmal hart, der unberührte Salat nicht mehr knackig, die Reste vom Abendessen sind dann als zukünftiges Mittagessen doch nicht mehr so attraktiv und landen im Mistkübel – aus den Augen aus dem Sinn. Die kleinen Mengen hier und da summieren sich jedoch: So wirft der durchschnittliche österreichische Haushalt jährlich Lebensmittel im Wert von 300 Euro weg. Das sind 587.000 Tonnen Lebensmittel, die in Österreich jedes Jahr im Müll landen, anstatt verzehrt zu werden.

Doch Lebensmittelverschwendung ist viel mehr als ein rein ökonomisches Problem. Leider wird Essen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verschwendet. Vom Acker bis zur Gabel ist es ein langer Weg, auf dem nicht nur die Lebensmittel an sich verloren gehen. Denn bei der Produktion werden zahlreiche Ressourcen wie Strom, Wasser oder auch Arbeitskraft aufgebracht, die durch die Verschwendung von Lebensmittel ebenfalls verloren gehen und trotzdem Treibhausgase freisetzen und unseren Planeten belasten. So werden mit jedem Kilo nicht verzehrten Brot unter anderem 1000 Liter Wasser verschwendet. Weltweit gehen wir leider mit 1/3 aller essbaren Lebensmittel so um. Damit ist Lebensmittelverschwendung für 8% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Durch ein Überangebot an Lebensmitteln entsteht der Großteil der Lebensmittelverschwendung in Industrieländern wie Österreich – rund 40% der Verluste – am Ende der Wertschöpfungskette auf der Einzelhandels- oder Verbraucherebene.

Mit dem Handy gegen Verschwendung: Eine Win-Win-Win-Situation

Die aus Dänemark stammende App Too Good To Go setzte genau hier an. Gastronomische Betriebe haben am Ende des Tages überschüssige Lebensmittel, die nicht verkauft werden können, aber noch vollkommen genießbar sind. Natürlich können die Betriebe vorab nicht wissen, welche Produkte genau übrigbleiben, denn auch die beste Planung kann nicht vorhersagen, was am Ende des Tages nicht mehr verkauft wird.

Über die Too Good To App können Betriebe wie Bäckereien, Restaurants, Supermärkte, Hotels oder Cafés übriggebliebene Portionen in Form von Überraschungssackerl an Selbstabholer verkaufen. Als NutzerIn sieht man in der App wann das Angebot abzuholen ist und was einen ungefähr erwartet. Vom Fischbrötchen oder Sushi, übers Hotelfrühstück hin zum Gemüsesackerl ist alles in App vertreten. Bezahlt wird direkt in der App – und zwar lediglich ein Drittel des eigentlichen Preises. In Österreich sind auch schon bekannte Namen wie das Park Hyatt in Wien, Ströck oder Anker mit dabei.

Bei Too Good To Go spricht man von einer Win-Win-Win-Situation: Gutes Essen für die NutzerInnen, weniger Verschwendung bei den Betrieben und eine niedrigere Belastung für die Umwelt. Das Schöne an Too Good To Go: Vom kleinen Café über Supermärkte bis hin zu Restaurantketten kann jeder mitmachen. Auch bei den NutzerInnen wird jede/r angesprochen. Wer ein Smartphone hat, kann sofort Essen retten.

Das einfache Konzept hat sich bewährt – Too Good To Go ist mittlerweile in 15 Ländern aktiv. Österreich startete vergangenen August als Nummer zwölf und die App kommt auch hierzulande gut an: So konnten in Wien, Linz, Graz und Salzburg bereits über 140.000 Portionen Essen bei 500 Betrieben gerettet werden. Das entspricht einer CO2-Einsparung von rund 350 Tonnen. Die Pläne für das kommende Jahr sind groß: Bis Ende 2020 will Too Good To Go in allen Städten Österreichs Essen retten.


Georg Strasser setzt sich seit vielen Jahren für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln ein. Er studierte BWL in Österreich und ‚Sustainable Development‘ in Schweden. Vor Too Good To Go war er viele Jahre als Corporate Responsibility Manager bei einem österreichischen Lebensmitteleinzelhändler tätig. Schwerpunkte seiner Arbeit waren unter anderem Cross-Sector-Partnerschaften mit NGOs aus dem Umwelt- und Sozialbereich aufzubauen sowie Food-Waste Projekte voranzutreiben. Seit 2019 ist Georg Strasser Too Good To Go Country Manager für Österreich und leitet ein hochmotiviertes Team von Food-Waste-Warriors, mit der Mission, Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten.