Gebäudeteile aus dem 3D Drucker

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Die Immobilienbranche ist beim Thema Digitalisierung eine eher „innovationsfreie Zone“. Verglichen mit anderen Sektoren hinken wir zehn bis 15 Jahre hinterher.

Hans-Peter Weiss (C) Suzy Stöckl

Der bisherige Schwerpunkt der Digitalisierung im Immobilienbereich lag ganz klar beim Betrieb der jeweiligen NutzerInnen. Universitäten versuchten, ihre Lehrveranstaltungen digital zu begleiten oder aufzubereiten. Wie digitale Medien in unseren Häusern genutzt werden und über die Mauern hinaus mit der Außenwelt kommuniziert wird, ist ebenfalls ein spannendes und aktuelles Thema. Ende November 2017 haben wir bei uns im Haus mit Experten das Thema Digitalisierung an Universitäten diskutiert. In Österreichs Hörsälen werden Vorlesungen zum späteren Selbststudium aufgezeichnet oder live ins Internet oder andere Räume übertragen, um mehr Studierende oder interessierte Menschen teilhaben zu lassen. Dies ist aber erst der Anfang. In naher Zukunft sollen 3D Projektionen von Personen à la Star Wars Realität werden.

Die nächste Ebene betrifft den eigentlichen Gebäudebetrieb: Hier gibt es seit geraumer Zeit erste Anstrengungen. Unsere Häuser sind mittlerweile ziemlich „smart“: Lampen die sich automatisch einschalten, wenn es zu dunkel wird oder Jalousien, die ohne auf einen Knopf zu drücken hinunterfahren, wenn die Sonne scheint, sind bei Neubauten schon Standard. Digitale Haustechnik hat bereits in vielen öffentlichen Gebäuden und Büros Einzug gehalten. Dabei soll vor allem eines erreicht werden: Das Einsparen von Energiekosten. Die Menschen in den Häusern lernen aber erst nach und nach mit der neuen Technik umzugehen, vor allem weil bei der Arbeit oder auf der Universität viele Personen zusammen kommen. Erfrorene Sonnenanbeter treffen auf Maulwürfe mit dickem Fell. So hat jeder eine subjektive Wahrnehmung wie hell oder warm es im Büro sein sollte. Eine Umgebung zu schaffen, bei der sich alle möglichst wohl fühlen, ist dabei die Herausforderung für uns als Bauherr und Eigentümer von über 2.000 Liegenschaften in ganz Österreich.

Die mögliche Digitalisierung der eigentlichen Gebäudeerrichtung – von der Idee über die Planung bis hin zur bautechnischen Umsetzung – steht dagegen erst in den Anfängen.

Derzeit beschäftigen wir uns unter anderem mit „Building Information Modeling“ – kurz BIM. Dabei soll eine Software die Planung, Ausführung und später das Bewirtschaften von Gebäuden optimieren. Modelle werden digital visualisiert und bearbeitet, Kostenkalkulationen oder auch bauliche Freigaben bauen darauf auf. Hier sind wir in Europa aber erst am Anfang, es sind – anders als in den USA oder Großbritannien – noch keine Standards definiert. Aber nicht nur die Planung verlagert sich in die digitale Welt, auch die Produktion von Bauteilen verändert sich. Gebäudeteile aus dem 3D Drucker, die direkt auf der Baustelle entstehen und Roboter die Betonelemente automatisiert herstellen, werden die Art des Bauens und somit auch die Planung und Beauftragung für uns als Bauherren revolutionieren.

Für uns bedeuten diese Entwicklungen auch eine Veränderung der Anforderung an unsere Gebäude. Dabei ist vor allem eines gefragt: Flexibilität. Einfach veränderbare Raumstrukturen, hin zu kleineren Seminar- und Kollaborationsräumen, liegen im Trend. Die Technik, die dabei eingebaut wird, nimmt immer mehr Raum in Anspruch. Was alles noch kommt wissen wir gar nicht, aber genau dieser Unsicherheit wollen wir durch intelligente, flexible Raumsysteme Rechnung tragen um etwaige Umbauten so einfach und kostengünstig wie möglich umsetzen zu können.

Als Bauherr von Wohnungen mit unserer Tochtergesellschaft ARE Austrian Real Estate beschäftigen wir uns auch mit der Schaffung von modernem Wohnraum. Noch gar nicht gebaute Wohnungen können digital bei einem 3D Rundgang besichtigt werden. Die Wohngebäude oder Wohnviertel selbst sollen ebenfalls „smart“ werden, vernetzt sein und untereinander Daten austauschen, um den Energieverbrauch bestmöglich zu regulieren oder zur präventiven Instandhaltung beitragen. Die Digitalisierung kommt hier aber auch dem Wohnungseigentümer oder der Mieterin zugute. So kann heute bereits vom Büro oder Auto aus gesteuert werden, dass die Wohnung bei der Heimkehr wohlig warm ist oder die Jalousien hochfahren, weil ein Sturm angesagt ist – wenn sie das dank Sensor nicht schon von selbst machen.

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Hans-Peter Weiss ist seit 2011 Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft. Inhaltlich ist der studierte Diplomingenieur für die Bereiche Konzerncontrolling, Financial Management, Universitäten, Unternehmensstrategie & Kommunikation, Informationstechnologie, Real Estate Investment Management, Projektentwicklung & Verwertung, die Pressestelle sowie das Financial- und Assetmanagement der Tochtergesellschaft ARE Austrian Real Estate zuständig.

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