Moderne Kundenbedürfnisse verstehen

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Die Zeit, in der Forscher über drei Jahre in einem Geheimlabor eingesperrt eine Idee „ausgebrütet“ haben, ist längst vorbei. Durch viele Jahre Berufserfahrung im Innovationsbusiness ist für mich heute klarer denn je: Neue Produkte und Services, die modernen Kundenbedürfnissen gerecht werden können, haben eine Komplexitätsstufe erreicht, die ein abgeschottetes Forscherteam in den allermeisten Fällen nicht mehr erreichen kann. Was wir heute brauchen, ist die Interaktion und Kooperation von allen Interessensgruppen im gesamten Entwicklungsprozess eines neuen Service oder Produktes.

Reinhard Willfort

In der Praxis bewährt haben sich deshalb moderne Methoden wie „Service Design Thinking“. Diese bauen darauf, mit dem zukünftigen Anwender des neuen Service oder Produktes schon frühzeitig zu sprechen, um seine Bedürfnisse zu erforschen. Genau das tun wir jeden Tag mit der von ISN entwickelten Ideenplattform „Neurovation“. Was sich dabei in der Praxis immer wieder als wichtig erwiesen hat: Der Ansatz ist sehr anpassungsfähig. Lassen Sie mich das an unterschiedlichen Anwendungsfällen genauer erklären.

So vielfältig ist die Zusammenarbeit mit der Crowd

Ein seit vielen Monaten mit Neurovation aufgebautes Vorhaben ist ein internationales Forschungsprojekt zum Thema Crowdfunding. Dabei arbeiten 9 Länder online am Aufbau sogenannter „Crowd-Funding-Hubs“. An diesen, später realen Plätzen, soll sich alles rund ums Thema Crowdfunding drehen. Bei diesem vielseitigen Thema ist es besonders wichtig alle Zielgruppen miteinzubeziehen, weshalb sich die Open Innovation Plattform Neurovation sehr gut einsetzen lässt. Die Plattform wurde unter anderem dafür genutzt, um Slogan, Logo und Name für die Hubs zu finden.

Ein weiteres Beispiel ist das Forschungsunternehmen EVOLARIS, das seit 2013 auf Crowdsourcing mit der Neurovation Technologie setzt. Im Rahmen einer „White Label“ Umsetzung wurde die EVOLARIS Living Lab Plattform aufgebaut. Die Community von anfangs 400 Personen wurde dabei vor allem mit mobilen Anwendungen konfrontiert.

Auch nach dem Facelift 2017 und der Umbenennung auf EVOLAB steckt die Brainpower von Neurovation.net hinter der Lösung. Dabei konzentriert sich das EVOLAB auf die Durchführung von Ideenwettbewerben. ISN und Neurovation liefern bei Bedarf auch unternehmensspezifische Innovationssysteme, bestehend aus Innovationsplattformen inkl. Einführungsberatung aus einer Hand.

Wie vielfältig dieser Service ist, lässt sich auch an der Bandbreite der Kunden erahnen, die wir mit unserem Know-How in den letzten 17 Jahren begleiten durften. Dazu zählen unter anderem TÜV Austria, das AKH Wien und die VAMED. Das neueste Plattformprojekt adressiert das Thema Open Innovation für Mobilitätslösungen und wird vom Mobilitätslabor der FH Oberösterreich betrieben.

Trotz dieser großen Vielfalt können wir in den Anwendungsfällen immer wieder drei wesentliche Effekte erkennen, die durch Crowdsourcing entstehen.

  1. Mit Neurovation.net ist man hautnah an den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden. Diese werden in Form von Ideen gesammelt, und je nach Thema erhält man zwischen 30 und 250 originäre Inputs. Die User der Plattform können die Ideen auch kommentieren und damit erhält man interessante Zusatzinformationen und kann über das sogenannte „Community Voting“ herausfinden, welche Ideen für viele besonders wichtig sind. Mit bis zu 20.000 Bewertungen je Kampagne bekommt man damit erste Anhaltspunkte über die Marktrelevanz von Ideen.
  2. Über die Ideen entdeckt man interessante User mit oft ungeahnter Innovationskraft, die man später auch persönlich zu Workshops, Gesprächen oder gar als neue Mitarbeiterin oder Mitarbeiter einladen kann.
  3. Für das Unternehmen oder das Forschungskonsortium liefert Neurovation.net auch eine sehr gute Möglichkeit ein Forschungsprojekt mit einem interaktiven Medium für eine breite Masse sichtbar zu machen.

Crowdsourcing als Forschungstool

Beim Forschungsprojekt EMILIA beispielsweise, wurden durch einen offenen Zugang neue Gedankengänge von Anwendern zum Thema „E-Mobilität im urbanen Raum“ eingeholt, und damit wertvolle Nutzerbedürfnisse berücksichtigt.

In einer zweimonatigen Ideensammlung auf der öffentlich zugänglichen Open Innovation Plattform wurden eine große Anzahl zukünftiger Kundenwünsche abgefragt. Diese wurden im Anschluss beim Stakeholder-Workshop in die Expertendiskussion eingebracht und reflektiert.

Das Leuchtturm-Projekt EMILIA gewann den Wiener VCÖ-Mobilitätspreis 2017.

Das Forschungsprojekt ENVISION wird im Rahmen des europäischen Horizon 2020 Programms gefördert. Insgesamt arbeiten neun Partner aus unterschiedlichen Fachbereichen an der Entwicklung von innovativen Onlinetools zu Unterstützung von Geschäftsmodell-Entwicklungen. Die Basisplattform dazu wurde 2015 von der Neurovation GmbH mit Neurovation.net geliefert.

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DI Dr. Reinhard Willfort ist Gründer der Innovationsschmiede Innovation Service Network, der Ideenplattform Neurovation, und Österreichs erster Crowdinvesting Plattform 1000×1000. Als Innovationsexperte unterrichtet er den Innovationsmanagement Masterlehrgang an der Donau-Universität Krems, und ist Gründungsmitglied des European Crowdfunding Network.