Open Innovation feiert auch in Österreich zunehmend Erfolge – Eine Bestandsaufnahme sowie Chancen und Risiken

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Der klassische Weg, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, führt immer häufiger in eine Sackgasse. Unternehmen müssen sich nach innen und nach außen öffnen. Nur dann können sie von der enormen Kreativität und dem großen Wissen der Mitarbeiter, Zulieferer, Kunden, StudentInnen unterschiedlicher Fakultäten und InternetnutzerInnen profitieren. Hinzu kommt, dass der steigende Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung, die nachweislich steigenden Kosten für Forschung und Entwicklung, sowie immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen den Innovationsdruck stetig erhöht. Der Treiber „Digitale Innovation“ verschärft die Situation zusätzlich. Ein „weiter so, wie bisher“ scheidet daher definitiv aus. Dass der Trend „Open Innovation“, auch als Antwort auf die oben beschrieben Situation, zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist unumstritten. Es sind sowohl die globalisierten Großkonzerne wie SiemensBeiersdorfBMW oder auch P&G und Intel, die das Potential des offenen und vor allem kundenzentrierteren Innovationsprozess erkannt haben, als auch der Mittelstand wie beispielsweise DoppelmayrMedEl oder Festo mit den inhabergeführten und stark auf Nachhaltigkeit ausgelegten Unternehmenskulturen.

Hans Sailer

Auch in Österreich haben sich in den letzten Jahren immer mehr Unternehmen an offenere Formen der Produkt- und Serviceinnovation gewagt. Die Firma Pöttinger, ein erfolgreicher Landmaschinenhersteller aus Oberösterreich, rief beispielsweise im Jahr 2013 eine weltweite Community an Kreativen, Bastlern, StudentInnen, und IngenieurInnen dazu auf, ein technisch hochkomplexes System an ihrem Heuladewagen zu lösen; mit großem Erfolg. Erste Prototypen können bald auf Messen präsentiert werden. Die Erste Bank betreibt seit mehreren Jahren das interaktive Kundenportal „sLab“, auf dem Kunden aktiv an der Produkt- und Serviceentwicklung der Bank mitarbeiten können. Der von der Erste Bank aufgesetzte Prozess geht weit über ein virtuelles Kundenportal hinaus, da Ideen und Vorschläge auch in unterschiedlichen Workshop-Formaten mit ausgewählten Kunden (Lead Usern) weiterentwickelt und bis zum Prototyp bzw. der tatsächlichen Realisierung vorangetrieben werden. Einige Ideen finden sich nun im Online Banking „George“ umgesetzt. Gleichzeitig können die Vorschläge auch in das direkt angeschlossene „Ideenmanagement“ der eigenen MitarbeiterInnen weitergleitet werden und dort diskutiert, angereichert und präzisiert werden. Neben dem mittelständischen Maschinenbauer und der Erste Bank wendet auch Interspar aus Salzburg bereits seit mehreren Jahren Open Innovation Methoden erfolgreich an. Neben Ideen- und Designwettbewerben und einer mit dem Kunden gemeinsam entwickelten Rezept-Community betreibt Interspar seit 2013 die Kundenplattform „redMit“. Hier können Kunden neue Produkte vorschlagen, die abhängig von der Community-Bewertung und der Einschätzung des Produktmanagements zukünftig in das Sortiment der Intersparmärkte aufgenommen werden. Auch Swarovski profitierte in der Vergangenheit von global angelegten Ideen- und Designwettbewerben, die tausende neue Produktideen in den Bereichen Uhren, elektronischen Kleinartikeln (USB-Sticks etc.) oder auch dem klassischen Schmuck von begeisterten Kunden und Designern entwickelt und Swarovski zur Verfügung gestellt wurden. Viele weitere österreichische Großkonzerne wie Porsche, ÖAMTC, OMV, Magna, ÖBBaber auch staatliche Unternehmen wie das Finanzministerium und andere wenden Open Innovation dahingehend an, dass sie ihre gesamte Belegschaft bzw. ausgewählte Personengruppen systematisch in relevante Innovationsfragestellungen einbinden.

Eine Öffnung des Innovationsprozesses birgt selbstverständlich aber auch Risiken, die professionell adressiert und in der Planung sowie Umsetzung von Open Innovation Projekten berücksichtigt werden müssen. Wichtigster Punkt ist, dass Open Innovation Aktivitäten von den Kunden und Nutzern als fair eingeschätzt werden. Dann ist nämlich auch davon auszugehen, dass eine Reihe von positiven Begleiterscheinungen, wie bspw. einer besseren Stimmung auf der Plattform, ein stärkeres Wachstum durch virale Verbreitung, mehr Diskussion und folglich in der Konsequenz bessere Ergebnisse sowie eine loyale Community als wirkliches Asset für das Unternehmen zur Verfügung steht.

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Mag. Hans Sailer, 50, ist Gründer & Community Manager von Wiens größter Innovationsleiterrunde INNOX und Country Manager HYVE Österreich der Münchner Innovationsagentur HYVE. Er studierte in Wien Handelswissenschaft und arbeitete als Vorstandsassistent & Strategieprozessleiter in der Telekom Austria. 2011 erhielt er zusammen mit einem Konsortium mehrerer Firmen den Staatspreis für Elektromobilität. Er ist Initiator des M2M/ IOT Forum CE in Wien.