Von Industry meets Makers zum neuen Factory Hub Vienna

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Am 20. September endet bereits die zweite Runde von Industry meets Makers im großen „Best of #IMM2017-Finale“. Sandra Stromberger hat diese Initiative 2015 mit Unterstützung von DigitalCity.Wien und Wirtschaftsagentur Wien ins Leben gerufen. Dabei stellen Unternehmen Aufgaben, die von engagierten Freiwilligen gelöst werden. Bis jetzt konnten zahlreiche Ideen erfolgreich umgesetzt werden: Ein digital vernetztes Hochbeet, eine Aquaponik-Anlage, Multicopter-Anwendungen, Solarstrominseln oder etwa ein Konzept für die Fabrik der Zukunft. Als neueste Innovation hat sich das Projekt Factory Hub Vienna geformt, dass Start-ups und Makern Infrastruktur für die Fertigung von Elektronik in Inzersdorf anbietet.

Rafael Gattringer

Der Umgang mit Großunternehmen ist nicht immer leicht. Sie werden oft mit Tankern verglichen, die zwar viel transportieren können, aber nur langsam ihre Richtung verändern. In der Realität tun sich Hochsee-Tanker im Neusiedler See und in der Donau ziemlich schwer. Für Österreich gibt es für Großunternehmen jedoch eine alternative Metapher. Wir haben viele wunderbare Ritterburgen. Wie entsteht so eine Burg? Am Anfang schwärmen Pioniere in der sogenannten „Exploration“ aus, finden wertvolle Ressourcen und konstruieren die erste Befestigungsanlage. Diese wächst dann stetig, um das eroberte Gebiet zu verteidigen. Felder werden bestellt und Ressourcen abgebaut. In der Innovations-Literatur wird der zweite Fachbegriff unter „Exploitation“ angeführt. Vor lauter Verteidigung bestehender Marktgebiete und kurzfristiger Gewinnmaximierung unterlassen es gewisse Unternehmen allerdings, neue Gebiete zu erforschen. Dies ist aber wichtig, um das langfristige Überleben nachhaltig zu sichern – wobei wir wieder bei den Pionieren wären. So besteht ein ständiger Balanceakt, Altes weiterhin zu nützen und Energie in Neues zu stecken.

Industry meets Makers hat etwas Besonderes geschafft. Das „einfache Volk“ scheitert bei der Kontaktaufnahme mit Ritterburgen oft an den enormen Mauern oder an kritisch blickenden WächterInnen. Industry meets Makers hat einfach den Spieß umgedreht und die Marktplätze der Burgen allen zugänglich gemacht. Dabei begegnen sich unterschiedlichste Personen und Kulturen, womit Innovation durch Vernetzung ermöglicht wird. Anstatt nur Start-ups anzusprechen, werden bereits in der Phase davor Bastlerinnen und Bastler angesprochen, die üblicherweise intrinsisch motiviert mit Technologie in der Garage spielen.

Was macht gemeinsame Projekte erfolgreich? Erfahrungswerte von copter.rocks

Etliche Innovationswettbewerbe belohnen ausschließlich die vermeintlich beste Lösung. Beim Industry meets Makers Multicopter-Bewerb copter.rocks wurde auf die Honorierung von Einzelleistungen verzichtet, um die Kooperation zwischen den Teams zu fördern. Etwa beim Austausch von Open Source Programmiercode ist vor allem Zusammenarbeit gefragt. Wie hohe Berge, die in einer gemeinsamen Seilschaft erklommen werden, haben sich die TeilnehmerInnen untereinander fachlich intensiv ausgetauscht, um zusammen knifflige Herausforderungen zu meistern. Seitens der copter.rocks Leitung war es sehr wichtig, fachliche Unterstützung zu geben und die Maker nicht im Regen stehen zu lassen. Innovationsprojekte, die lediglich einem einseitigen Innovations-Branding dienen oder nur Ideen abgreifen, sind da fehl am Platz. Echte Co-Innovation ist gefragt, bei der die TeilnehmerInnen zusammen mit den ExpertInnen der Unternehmen auf gleicher Ebene und mit Respekt zusammenarbeiten. Retrospektiv betrachtet haben persönliche Treffen den Projektfortschritt am meisten beschleunigt, wie das bei Meetups und Hackathons der Fall ist. Dennoch konnten auch Studenten aus Graz und Deutschland via Videokonferenz überregional am Bewerb teilnehmen. Das ist möglicherweise ein gutes Beispiel, wie überregional vernetzt zusammengearbeitet werden kann, um Innovation gemeinsam voranzutreiben. Es geht nicht darum, wer den besten Innovationsstandort hat, sondern wie diese Standorte synchron zusammenspielen und kooperieren können. Dabei hat Wien durch das starke Ökosystem viel Potential, eine tragende Rolle zu spielen und im Miteinander umso mehr ein wichtigerer globaler Schmelztiegel für Innovation zu sein.

Factory Hub Vienna – Co-Working und Fertigung von Elektronik in Wien

Im Zuge von Industry meets Makers ist als neuester Spin-off der Factory Hub Vienna im 23. Bezirk in Inzersdorf entstanden. Dabei werden Start-ups und Maker unterstützt, Elektronik zu konstruieren und Kleinserien zu produzieren. Als Vorbild dient das Hardware.co Lab in Berlin, wobei Inzersdorf speziell mit einer eigenen Elektronik-Fertigung punkten kann. Die Vorstellung, dass Elektronik in Asien gefertigt werden muss, wird damit widerlegt. Besonders automatisierte Tätigkeiten lassen sich in Österreich ebenso wirtschaftlich durchführen. Der Gedanke dabei ist nicht, den Protektionismus bzgl. Produktion in Wien hochzuhalten, sondern jungen Unternehmen einen rascheren Markteintritt zu ermöglichen. Der Factory Hub Vienna wurde 2017 als eines von vier Projekten in Österreich mit der FFG-Förderung Innovationswerkstätte ausgezeichnet. Die Innovationswerkstätten sind ein wesentliches Element der Open Innovation Strategie für Österreich.

__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Der TU Wien Absolvent Rafael Gattringer hat im Zuge von Industry meets Makers die Infineon Austria copter.rocks Community aufgebaut. Dabei wurde er auf das Unternehmen TELE Haase in Inzersdorf aufmerksam und hat zusammen mit dem Team von TELE den „Factory Hub Vienna“ gegründet.