WAALTeR

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Die Digitalisierung macht vor dem Alter nicht halt!

Der Alltag der jüngeren – und auch der nicht mehr ganz so jungen – Generationen ist meist schon komplett digital. Manchmal zu digital? Wenn in der Früh der Wecker am Handy läutet wird gleich auch noch das aktuelle Wetter, Nachrichten, Termine und mögliche Verzögerungen am Schulweg oder Arbeitsweg von Siri, Google Assistent etc. vorgelesen.

Julia Sauskojus © Urban Innovation Vienna

Wenn man das Haus verlässt schließt das elektrische Schloss an der Tür selber ab. Und nachdem tagsüber der Kühlschrank vielleicht schon selbständig Bestellungen aufgegeben hat werden abends vor dem Schlafen gehen noch schnell die letzten Nachrichten geschrieben, denn Kommunikation findet zu einem guten Teil online statt. Ebenso verhält es sich mit alltäglichen Dingen wie der Interaktion mit Geschäften, Banken, Ämtern, Sozialversicherungen bis hin zur Elektronischen Gesundheitsakte ELGA. Alles, was geht, wird über kurz oder lang digital abgewickelt und die Möglichkeiten, Dinge analog zu erledigen werden immer weniger und immer umständlicher, mit längeren Wegen verbunden und jedenfalls weniger komfortabel.

Eine Stadt wie Wien auf dem Weg zur digitalen Hauptstadt Europas stellt das mit ihren 1,8 Millionen EinwohnerInnen natürlich auch vor Herausforderungen. Besonders dann, wenn über 180.000 WienerInnen über 65 Jahre alt sind und laut Statistik Austria (2018) nur knapp die Hälfte von denen in der Altersgruppe 65-74 Erfahrungen im Umgang mit dem Internet haben. Je älter, desto geringer ist der Anteil jener, die wissen, was das Internet überhaupt ist – geschweige denn, wie es ihr Leben erleichtern oder bereichern kann. Kurz gesagt heißt das, dass die Digitalisierung das Leben für viele Menschen einfacher macht, aber gleichzeitig auch eine immer größer werdende Gruppe von Menschen verschreckt und auch von immer mehr teils notwendigen Diensten ausschließt bzw. die Nutzung zuerst einmal erschwert.

Nun könnte man flapsig sagen, dass es sich ja um ein Problem mit Ablaufdatum handelt und es sich früher oder später von allein erledigt. Schon! Ein bisschen Schwund ist immer? Ja, wahrscheinlich. Pech, dass es nun ausgerechnet die größtenteils wirtschaftlich sehr potente Nachkriegsgeneration trifft, die teilweise auch im Berufsleben keine digitalen Berührungen hatte?

Eben diese große und heterogene Bevölkerungsgruppe, die dem technischen Fortschritt, der zweifelsfrei auch ihr Leben erleichtern könnte, teilweise rat- und mutlos gegenübersteht. Was tun? Über Maßnahmen nachdenken, die die nächsten zehn bis 15 Jahre genau diese Menschen im Umgang mit digitalen Geräten und Technologie unterstützt und im Umgang anleitet, Ängste nimmt und den individuellen Nutzen zeigt!

Michael Freund © Wolfgang Gaidoschik

Das hat WAALTeR gemacht. WAALTeR steht für Wiener AAL Testregion. Wenn sie sich jetzt fragen was AAL ist, sind sie nicht alleine. AAL ist die Abkürzung für Active and Assisted Living. Darunter versteht man Konzepte, Produkte und Dienstleistungen, die neue Technologien und soziales Umfeld miteinander verbinden, um die Lebensqualität für Menschen in allen Lebensabschnitten, vor allem aber im Alter, zu erhöhen.

Wer nun glaubt, dass die Übergabe der Technologie reicht und der Rest ein Selbstläufer ist, irrt. Das klappt bei der Generation 2000+. Bei der Generation plus minus 1940 braucht man vor allem Zeit und ein sehr gutes Konzept. Man muss sich quasi auf seine Hände setzen und erklären statt zeigen, man muss sich überlegen, wo der Nutzen für die einzelne Person ist, ohne sie aufgrund ihres Alters vor den Kopf zu stoßen – und man muss sie zusammenbringen! Es sind vor allem die Konzepte und die begleitenden Dienstleistungen, die die Leute dazu bringen technische Hilfsmittel überhaupt zu benutzen und auch in den eigenen vier Wänden zu akzeptieren und somit zur digitalen Welt aufschließen können.

Klar ist auch, dass es sich hier um Maßnahmen handelt, die nicht länger als diese zehn bis 15 Jahre bestehen müssen. Denn die Generationen, die nachrücken, finden sich in dieser digitalen Welt immer besser zu recht. Vor allem, wenn wir anfangen Medienkompetenz zu vermitteln statt Medienunterricht zu machen und zu glauben, dass Internet und WLAN in den Schulen und Technologien im Lehrplan ein Selbstläufer sind.


Michael Freund ist Nonprofit-, Sozial- und Gesundheitsmanager und als Fachmitarbeiter im Fonds Soziales Wien für die Koordination von AAL zuständig.
Im Zuge dieser Tätigkeit setzt er sich viel mit den Themen Alter, Digitalisierung und Pflege auseinander. Er ist im FSW für WAALTeR zuständig und auch privat ist das Themen Digitalisierung bei ihm stets präsent. Viele der Produkte verwendet er selbst, um zu wissen wovon er redet.

Julia Sauskojus ist Stadtplanerin und beschäftigt sich mit Lebensqualität in der Stadt im Zusammenhang mit Technologien und Digitalisierung.
Sie arbeitet bei der Smart City Agentur bei UIV Urban Innovation Vienna GmbH und hat großes Interesse an zukunftsfähigen innovativen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf die Städte und ihre BewohnerInnen. Als Projektleiterin von WAALTeR hat sie ganz viel Neues gelernt und verstanden, dass Dinge manchmal ganz anders sind, als man immer dachte und das Beste an Konzepten ist, sie an die Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen.