Wer macht die Stadt? Vom Mitreden zum Mitgestalten

Geschrieben von Office DCW am in #DigitalMondayBlog, Home

Nachbarn verwandeln ein Stück Brachland in einen öffentlichen Raum, aus kreativen EinzelkämpferInnen werden Co-WorkerInnen, junge Familien und weitblickende SeniorInnen gründen Baugruppen.

Angelika Fitz (c) Pez Hejduk

Angelika Fitz Foto: (c) Pez Hejduk

In ganz Europa ergreifen BürgerInnen die Initiative und werden Teil des Machens von Stadt. Mit ihren Initiativen definieren sie die Beziehung zwischen Wert, Profit und Gemeinwohl neu und laden andere Bürger ein, es ihnen gleich zu tun. Was steht hinter dieser Entwicklung?

  1. „Die Krise“ wird von vielen Menschen nicht nur als wirtschaftliche, sondern als gesamtgesellschaftliche, fast moralische Krise gesehen. Die Frage nach „dem guten Leben“ wird sehr grundsätzlich gestellt.
  2. Daran anschließend versuchen immer mehr Menschen der investorengetriebenen Stadtentwicklung eine nutzergetriebene entgegenzusetzen.
  3. Viele StadtbenutzerInnen vertrauen nicht mehr auf Angebote zur Partizipation, sondern gehen über zu Selbstorganisation und Ko-Autorenschaft – ein Modus der in einer digitalen Gesellschaft bereits eingeübt ist.
  4. Viele dieser Initiativen verschränken digitale Technologien mit einem Hands-on-Ansatz. Schreinerwerkstätten mit open source Anleitungen gehören genauso dazu wie FabLabs, Versammlungen vor Ort ebenso wie digitale Plattformen.

Bei aller Euphorie, welchen Schwierigkeiten begegnen solche Initiativen? Da ist einmal die Frage der Verstetigung. Rasch ist ein Projekt gestartet, eine Veränderung angestoßen, aber wie hält man eine Initiative am Laufen? Das führt zur Frage der Beziehung von selbstorganisierten Projekten und öffentlicher Hand. Stadtverwaltungen müssen in Zukunft neue Schnittstellen für die Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen und institutionellen Initiativen schaffen. Das können unbürokratische Förderprogramme sein, wie das vielfach ausgezeichnete BIP / ZIP (Bairros e Zonas de Intervenção Prioritária) in Lissabon.

Weiters braucht es niederschwellige Ausschreibungen für innovative öffentliche Projekte, die auch kleinen Start-Ups Zutritt ermöglichen. Und es braucht eine Stadtplanung, die Nischen für Eigeninitiative bereithält. Dazu gehört eine städtische Liegenschaftspolitik, die Orte verfügbar macht, an denen sich Konzepte mit Gemeinwohlaspekt gegen den möglichen Höchstbieter durchsetzen können. Auf diese Weise wird aus Mitreden Mitgestalten und damit auch ein Stück mehr an gemeinsamer Sorge tragen für die Stadt.

___________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________ Angelika Fitz ist Kulturtheoretikerin und Kuratorin, in den Bereichen Architektur, Kunst und Urbanismus. Ab Januar 2017 wird sie das Architekturzentrum Wien als Direktorin leiten. www.angelikafitz.at

Sie gab in ihrer Keynote beim ersten Digitalen Salon am 18. April – einer Veranstaltung aus der DigitalCity.Wien Initiative – zum Thema „Urbane Kulturen – Schnittstellen zwischen hands-on und digitalen Medien“ spannende Impulse zur Digitalisierung aus ihrem Blickwinkel der Architektur und Stadtplanung.