FRAUEN, DIE DIE DIGITALE WELT PRÄGEN
Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien
Der Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien zeichnet Forscherinnen in Österreich für ihre herausragenden Leistungen im Bereich der Informationstechnologie aus. Er betont die Rolle und Bedeutung von Frauen in der IT und stärkt diese. Namensgeberin ist die in Wien geborene Hollywood-Schauspielerin und Wissenschaftlerin Hedy Lamarr.
Die Stadt Wien verleiht den Hedy Lamarr Preis jedes Jahr gemeinsam mit DigitalCity.Wien und UIV Urban Innovation Vienna. Nominierende Stellen für die Auszeichnung sind die Institutionen FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft), FWF (Der Wissenschaftsfonds) sowie WWTF (Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds).
Preisträgerinnen dienen als Role Models
Die Auswahl und Empfehlung der Preisträgerin erfolgt durch eine interdisziplinär zusammengesetzte Jury, der auch frühere Preisträgerinnen angehören. Für die Entscheidungsfindung gelten klare Regeln zur Vermeidung von Befangenheit.
Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Die Preisträgerinnen dienen der nächsten Generation als Vorbilder und motivieren junge Frauen, einen Beruf in der IT-Branche zu ergreifen.

Hedy Lamarr Preis 2025
Der 8. Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien für herausragende Leistungen von Frauen in Österreich im Bereich der Informationstechnologie ging 2025 an Georgia Avarikioti von der Technischen Universität Wien. Überreicht wurde der Preis von Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál sowie Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler im Rahmen der Digital Days im Technischen Museum Wien.
Die Forschung der Griechin verbindet Kryptographie, verteilte Systeme und Spieltheorie mit dem Ziel, sichere, skalierbare und interoperable Blockchain-Infrastrukturen zu gestalten. Avarikiotis Bestreben ist es, Blockchains als sichere, zensurfreie und universell zugängliche Instrumente zu etablieren, die den globalen Informations- und Werteaustausch neu definieren können.
„Es ist mir eine große Ehre, den Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien entgegenzunehmen. Aber wenn wir Hedy Lamarr wirklich würdigen wollen, dann darf die nächste Generation von Frauen nicht um einen Platz am Tisch kämpfen müssen. Die Tür sollte bereits weit offenstehen. Als junge Frau im MINT-Bereich musste ich mir meinen Platz immer wieder selbst bestätigen – zuerst im Bauingenieurwesen in Athen, später in der Informatik. Heute entwickle ich Blockchain-Technologien, weil ich an eine Zukunft glaube, die offen, fair und inklusiv ist“, sagt Georgia Avarikioti im Zuge der Preisverleihung.
Weitere Nominierte des Jahres 2025 waren:
- Karen Azari, Universität Wien
- Anna Beer, Universität Wien
- Lisette Espin-Noboa, Complexity Science Hub Wien
- Anela Lolic, TU Wien
- Andrea Ortiz Jiminez, TU Wien
- Maria Wimmer, VRVis
Ebenfalls geehrt wurden die Gewinnerinnen des diesjährigen Digital Girls Hackathon Wien, bei dem Schülerinnen der 2. und 3. Klasse Unterstufe im Bereich „Programmieren zu einem Nachhaltigkeitsthema“ gegeneinander angetreten sind und Applikationen entwickelt haben.
PREISTRÄGERINNEN
Hedy Lamarr Preisträgerin 2024
Laura Koesten

Laura Koesten, Forscherin an der Universität Wien, wurde 2024 mit dem Hedy Lamarr Preis ausgezeichnet. Die ehemalige Physiotherapeutin wechselte in die Informatik und arbeitet seither als Postdoktorandin an der Universität Wien. Ihr aktuelles Forschungsprojekt „Talking Charts“ untersucht, wie Menschen Daten interpretieren und wie visualisierte Informationen verständlich gemacht werden können. Ziel ihrer Arbeit ist es, eine inklusivere Digitalisierung zu fördern. „Mit ihrem Fokus auf Mensch-Daten-Interaktion bereichert Koesten die Wissenschaft durch eine Perspektive, die technischen Fortschritt und gesellschaftliche Verantwortung vereint“, so Jurymitglied Martina Lindorfer. Laura Koesten zeigte sich in ihrer Dankesrede tief geehrt und betonte, dass sie mit ihrer Karriere andere inspirieren möchte, „eine Laufbahn im Technologiebereich zu verfolgen, unabhängig davon, wie direkt oder unkonventionell der Weg dorthin sein mag“.
Hedy Lamarr Preisträgerin 2023
Maria Eichlseder

Die Forscherin Maria Eichlseder erhielt den sechsten Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien. Sie promovierte 2018 sub auspiciis Praesidentis rei publicae, der höchstmöglichen Auszeichnung von Studienleistungen in Österreich, an der TU Graz. Die Kryptographin erforscht neue Methoden zur Kryptoanalyse von Verschlüsselungsverfahren. Anfang 2023 wurde der von ihr mitentwickelte „ASCON“-Algorithmus vom US-amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) als erster Standard für „Lightweight Cryptography“ veröffentlicht. „Ich freue mich sehr, dass der spannende Forschungsbereich Cybersicherheit durch diesen Preis zusätzliche Sichtbarkeit erlangt und vielleicht auch andere Frauen motiviert, hier aktiv zu werden“, so Maria Eichlseder bei ihrer Dankesrede.
Jurymitglied Laura Kovács bekräftigte die Vorbildwirkung der Siegerin: „Mit ihrem aktiven Engagement bei der Präsentation ihres akademischen Weges geht sie gegen falsche Mythen vor und zeigt, dass die Informatik tatsächlich geschlechtsneutral und äußerst vielfältig ist.“
Hedy Lamarr Preisträgerin 2022
Shqiponja Ahmetaj

Der fünfte Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien ging an die Forscherin Shqiponja Ahmetaj. Sie promovierte 2019 am Institute for Logic and Computation der Technischen Universität Wien. Ihre internationale Karriere an mehreren europäischen Universitäten und in Amerika erinnert an die Namensgeberin des Preises Hedy Lamarr.
„In ihrer Forschungsarbeit entwickelt Dr.in Shqiponja Ahmetaj die theoretischen Grundlagen zur automatischen Sicherstellung der Datenqualität im Web und achtet dabei gleichzeitig auf Praxisorientierung und Nachhaltigkeit“, begründet Jurymitglied Laura Kovacs die Auswahl der Siegerin. In ihrer Dankesrede betonte Shqiponja Ahmetaj die Wichtigkeit von korrekten und verlässlichen Daten, um falsche Schlussfolgerungen zu vermeiden. Sie hofft, durch ihre Arbeit auch anderen jungen Frauen Mut zu machen, eine Laufbahn im Bereich Informatik einzuschlagen.
Hedy Lamarr Preisträgerin 2021
Johanna Pirker

Die an der TU Graz tätige Forscherin Johanna Pirker erhielt 2021 den Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien. Pirkers Forschung umfasst die Themen Artificial Intelligence, Virtual Reality, Games und Human-Computer Interaction. Sie beschäftigt sich dabei auch mit den Bereichen Energieforschung, Stadtplanung und Medizin. „Ich freue mich sehr und bin dankbar, mit dem Hedy Lamarr Preis 2021 ausgezeichnet zu werden“, sagt Johanna Pirker. „Videospiele und Virtual Reality kämpfen immer noch ständig mit vielen Vorurteilen. Dabei bieten diese unterschiedliche Möglichkeiten für motivierendes Lernen, für interaktive Therapien oder auch für Klimaforschung und werden nicht umsonst auch als Empathiemaschinen bezeichnet. Diese Medien erlauben innovative Arten des Erlebens, die mit traditionellen Methoden nicht möglich sind. Dieses Potenzial der virtuellen Welten möchte ich nutzen, um auch die reale Welt ein bisschen besser zu machen. Außerdem möchte ich mit meiner Arbeit jungen Frauen zeigen, dass Gaming und IT keine reine Männerdomäne sind.“
Hedy Lamarr Preisträgerin 2020
Laura Nenzi

Der Hedy Lamarr Preis der Stadt Wien 2020 wurde an die an der TU Wien tätige, italienische Forscherin und Schauspielerin Laura Nenzi vergeben. „Wir leben in einer von Software gesteuerten Gesellschaft. Der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) erleichtert unseren Alltag, allerdings stellen sich auch besorgniserregende Fragen“, erklärte Laura Kovacs die Schwerpunktsetzung der Jury auf den Bereich der Grundlagenforschung. „Die Arbeit von Dr. Laura Nenzi schafft die Ausgangsbasis dafür, gültige Antworten auf diese dringlichen Fragen zu finden.“
In ihrer Dankesrede betonte Laura Nenzi, dass es ihr eine große Ehre sei, diesen Preis zu erhalten. Erstens, weil sie in einem Informatikbereich arbeite, der weniger bekannt sei: Formal Methods. Sie sei stolz, dieser speziellen Community Sichtbarkeit zu verleihen. Zweitens, weil Hedy Lamarr auch Schauspielerin war. Laura Nenzi spielt seit ihrer Schulzeit selbst Theater. Ihr Forschungsprojekt “High-dimensional statistical learning: New methods to advance economic and sustainability policies” wird mit zwei Mio. Euro vom FWF (Österreichischer Wissenschaftsfonds) gefördert.
Hedy Lamarr Preisträgerin 2019
Martina Lindorfer

Die Verleihung des zweiten Hedy Lamarr Preises der Stadt Wien fand am 5. November 2019 statt. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde an Prof. Martina Lindorfer vom Institut für Logic and Computation der TU Wien übergeben. Martina Lindorfer erforscht Methoden zur automatisierten Erkennung und Abwehr von Schadprogrammen auf mobilen Geräten und stellt die Ergebnisse ihrer Arbeit öffentlich zur Verfügung.
In ihrer Danksagung betonte sie: „Ich fühle mich durch diese Anerkennung in meiner Entscheidung eine Forschungskarriere einzuschlagen bestätigt.“ Sie ist sich der geringen Zahl von Frauen in der IT-Welt bewusst: „Ich hoffe durch meine Rolle als Professorin an der TU Wien mehr Mädchen für das Thema IT-Sicherheit begeistern zu können.“
Hedy Lamarr Preisträgerin 2018
Verena Fuchsberger-Staufer

Verena Fuchsberger-Staufer arbeitet im Spannungsfeld zwischen Informatik und Sozialwissenschaften. Sie benutzt für ihre Forschung nicht nur die Informatik, sie arbeitet auch aktiv an der Entwicklung neuer Methoden, die vielfältige Anwendungen in verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens finden. Sie schafft es, den Spagat zwischen Grundlagenforschung und der konkreten potentiellen Anwendung sehr beeindruckend darzulegen.
Mit dem Preis wurden ihre außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der Informationstechnologie ausgezeichnet. Auch Hedy Lamarrs Sohn, Anthony Loder, der bereits zwei Tage davor bei einem exklusiven Kamingespräch persönliche Einblicke aus dem Leben seiner Mutter teilte, war bei der Preisübergabe dabei.
Wissenschaftlerin und Hollywood-Star
Hedy Lamarr

Der Hollywood-Star Hedy Lamarr galt einst als weltweit schönste Frau. Ihre Rolle als Wissenschaftlerin und ihre Pionierarbeit im Bereich der Mobilfunktechnik ist hingegen kaum gewürdigt worden. Als österreichische Jüdin, die in die USA emigrierte, erfand sie ein störungsgesichertes Fernmeldesystem, das zur Niederlage des Dritten Reiches hätte beitragen können. Sie wurde aber von der amerikanischen Marine abgewiesen – sie solle lieber Küsse gegen Kriegsanleihen verkaufen. Erst kurz vor ihrem Tod wurde ihre Erfindung entdeckt, die als Basis der heutigen Kommunikationstechnik dient: Hedy Lamarr erfand jene Technologien, die Bluetooth und WLAN ermöglichten. 2014 wurde sie posthum in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird der „Tag der Erfinder“ an Hedy Lamarrs Geburtstag, am 9. November gefeiert.
Anmut trifft Brillanz
Die Statuette

Die Statuette des Hedy Lamarr Preises der Stadt Wien ist eine kunstvolle Hommage an die facettenreiche Persönlichkeit und das Vermächtnis der österreichischen Schauspielerin und Erfinderin. Das äußere Design der Statuette betont Hedy Lamarrs ikonische Schönheit, indem es eine abstrahierte Version ihrer Silhouette und Anleihen an ihr berühmtes langes weißes Kleid sowie ihre Krone aus dem Film „Mädchen im Rampenlicht“ (1941) aufgreift.
Im Inneren der Skulptur entfalten sich vernetzte Ebenen, die symbolisch für Lamarrs bahnbrechende Genialität stehen. Diese Elemente spiegeln ihre technologische Errungenschaft wider: das „Frequenzhopping“, eine Methode zur sicheren Kommunikation, die als Grundlage moderner Technologien wie WiFi und Bluetooth dient. So verbindet die Statuette auf elegante Weise Lamarrs äußere Anmut mit ihrer tiefen intellektuellen Brillanz und ihrem technologischen Erbe.
Entworfen wurde die Statuette von Studio Calas.